Eurojackpot Steuern — Muss ich meinen Gewinn versteuern?
Sind Eurojackpot-Gewinne steuerfrei? Was gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Die wichtigsten Steuerregeln für Lottogewinner.
Die gute Nachricht zuerst
In Deutschland sind Lottogewinne grundsätzlich steuerfrei. Egal ob Sie 10 € in Gewinnklasse 12 oder 120 Millionen Euro im Jackpot gewinnen — der Gewinn selbst unterliegt weder der Einkommensteuer noch der Schenkungsteuer noch irgendeiner anderen Abgabe.
Das gilt für alle staatlichen Lotterien in Deutschland, also auch für den Eurojackpot, LOTTO 6aus49, GlücksSpirale und alle Sofortlotterien. Der Grund: Lottogewinne gelten steuerrechtlich nicht als Einkommen, sondern als Glücksfall — vergleichbar mit einem Geschenk des Zufalls.
Aber — und dieses "Aber" ist entscheidend — die Steuerfreiheit endet an dem Punkt, wo Sie mit Ihrem Gewinn Erträge erwirtschaften.
Deutschland: Steuerregeln im Detail
Der Gewinn selbst: Steuerfrei
§ 2 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) definiert sieben Einkunftsarten, die der Einkommensteuer unterliegen. Lottogewinne fallen unter keine dieser Kategorien. Sie sind weder Einkünfte aus selbständiger oder nichtselbständiger Arbeit, noch aus Gewerbebetrieb, Kapitalvermögen, Vermietung oder sonstigen Einkünften.
Wichtig: Diese Steuerfreiheit gilt uneingeschränkt und ohne Obergrenze. Es gibt keine Meldepflicht beim Finanzamt für den Lottogewinn an sich.
Erträge auf den Gewinn: Steuerpflichtig
Sobald Sie Ihren Eurojackpot-Gewinn anlegen, werden die Erträge daraus ganz normal besteuert:
| Ertragsart | Steuersatz | Beispiel |
|---|---|---|
| Zinsen (Tagesgeld, Festgeld) | 26,375 % | 120 Mio. € × 3 % = 3,6 Mio. € Zinsen → ~950.000 € Steuern |
| Dividenden (Aktien, ETFs) | 26,375 % | Fondsausschüttungen |
| Kursgewinne (Aktienverkauf) | 26,375 % | Veräußerungsgewinne |
| Mieteinnahmen (Immobilien) | pers. Steuersatz | Wenn Sie Immobilien kaufen und vermieten |
| Gewerbeeinnahmen | pers. Steuersatz + GewSt | Wenn Sie ein Unternehmen gründen |
Der Steuersatz von 26,375 % setzt sich zusammen aus 25 % Abgeltungssteuer + 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf. Bei Kirchensteuerpflicht kommen je nach Bundesland noch 8–9 % Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer hinzu (effektiv ca. 27,8–28,6 %).
Rechenbeispiel: 120 Mio. € Jackpot
Angenommen, Sie knacken den Eurojackpot-Höchstgewinn von 120 Millionen Euro und legen den Betrag konservativ mit 3 % Jahreszins an:
- Gewinn: 120.000.000 € — steuerfrei
- Jährliche Zinsen: 3.600.000 €
- Abgeltungssteuer + Soli: ~950.000 €
- Nach Steuern: ~2.650.000 € Zinsen pro Jahr
Selbst nach Steuern verdienen Sie mit dem Gewinn also rund 2,65 Millionen Euro pro Jahr — nur durch sichere Zinsanlagen. Bei einer Investition in breit gestreute Aktien-ETFs (historische Rendite ~7 %) wären es entsprechend mehr, aber mit höherer Volatilität.
Österreich: Gleiche Grundregel
Auch in Österreich sind Lottogewinne steuerfrei. Das österreichische Einkommensteuergesetz behandelt Glücksspielgewinne nicht als steuerpflichtige Einkünfte. Die Besteuerung erfolgt — wie in Deutschland — erst auf der Ebene der Kapitalerträge.
Besonderheiten in Österreich
- Kapitalertragsteuer (KESt): 27,5 % auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne
- Keine Vermögensteuer: Österreich erhebt keine Vermögensteuer auf das Gesamtvermögen
- Schenkung/Erbschaft: Keine Erbschaftsteuer, aber Grunderwerbsteuer bei Immobilienübertragungen und Meldepflicht für Schenkungen über 50.000 € (innerhalb von 5 Jahren an dieselbe Person)
Österreich nimmt am EuroMillions teil, nicht am Eurojackpot. Die Steuerregeln gelten aber analog für alle Lotteriegewinne.
Schweiz: Kantonsabhängig und oft steuerpflichtig
Die Schweiz ist der Sonderfall im DACH-Raum. Hier können Lottogewinne tatsächlich steuerpflichtig sein — und zwar erheblich.
Bundesebene
Seit dem 1. Januar 2019 gilt das revidierte Geldspielgesetz. Lottogewinne bis 1 Million CHF sind auf Bundesebene steuerfrei. Gewinne über 1 Million CHF werden als Einkommen besteuert, wobei die ersten 1 Mio. CHF als Freibetrag gelten.
Kantonsebene
Zusätzlich zur Bundessteuer erheben die meisten Kantone eine eigene Einkommensteuer auf Lottogewinne. Die Regeln variieren stark:
| Kanton | Freibetrag | Steuersatz (Richtwert) |
|---|---|---|
| Zürich | 1 Mio. CHF | bis ~40 % (Grenzsteuersatz) |
| Bern | 1 Mio. CHF | bis ~41 % |
| Luzern | 1 Mio. CHF | bis ~32 % |
| Basel-Stadt | 1 Mio. CHF | bis ~37 % |
| Genf | 1 Mio. CHF | bis ~45 % |
Beispiel: Ein Eurojackpot-Gewinn von 10 Mio. CHF im Kanton Zürich. Der Freibetrag von 1 Mio. CHF wird abgezogen, die restlichen 9 Mio. CHF werden mit dem persönlichen Grenzsteuersatz besteuert. Je nach Gemeinde und weiteren Einkünften kann die Steuerlast 3–4 Millionen CHF betragen.
Die Schweiz nimmt weder am Eurojackpot noch an EuroMillions offiziell teil, aber Schweizer Bürger können über Online-Anbieter an europäischen Lotterien teilnehmen. Die Schweizer Steuerregeln gelten unabhängig davon, in welchem Land die Lotterie veranstaltet wird.
Verrechnungssteuer
Auf Gewinne aus Schweizer Lotterien wird eine Verrechnungssteuer von 35 % an der Quelle einbehalten. Diese kann bei der Steuererklärung zurückgefordert werden (Anrechnung auf die Einkommensteuer). Bei ausländischen Lotterien gibt es keinen Quellenabzug — die Deklarationspflicht liegt beim Steuerpflichtigen.
Zinsgewinne und Kapitalerträge: Hier greift die Steuer
Unabhängig vom Land gilt: Das Kapital wächst, und Wachstum wird besteuert. Für einen Millionengewinn gibt es verschiedene Anlagemöglichkeiten — und jede hat steuerliche Konsequenzen.
Sichere Anlagen
| Anlageform | Ø Rendite | Steuerlast (DE) | Netto-Rendite |
|---|---|---|---|
| Tagesgeld | 2–3 % | 26,375 % | 1,5–2,2 % |
| Festgeld (1 Jahr) | 2,5–3,5 % | 26,375 % | 1,8–2,6 % |
| Bundesanleihen | 2–3 % | 26,375 % | 1,5–2,2 % |
Wachstumsorientierte Anlagen
| Anlageform | Ø Rendite | Steuerlast (DE) | Netto-Rendite |
|---|---|---|---|
| Aktien-ETFs (thesaurierend) | 6–8 % | 18,46 % (Teilfreistellung 30 %) | 5–6,5 % |
| Aktien-ETFs (ausschüttend) | 6–8 % | 18,46 % auf Ausschüttungen | variiert |
| Immobilien (Vermietung) | 3–5 % | pers. Steuersatz | variiert |
Tipp: Thesaurierende Aktien-ETFs profitieren in Deutschland von der Teilfreistellungsquote von 30 % — nur 70 % der Erträge werden besteuert. Effektiv zahlen Sie also rund 18,46 % statt 26,375 %. Das kann bei Millionenbeträgen einen erheblichen Unterschied machen.
Schenkung eines Lottogewinns
Sie möchten Ihren Eurojackpot-Gewinn mit Familie oder Freunden teilen? Hier wird es steuerlich relevant — auch in Deutschland.
Schenkungsteuer in Deutschland
Die Schenkung unterliegt dem Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG). Es gelten Freibeträge:
| Empfänger | Freibetrag (alle 10 Jahre) | Steuersatz darüber |
|---|---|---|
| Ehepartner/eingetr. Lebenspartner | 500.000 € | 7–30 % |
| Kinder | 400.000 € | 7–30 % |
| Enkel | 200.000 € | 7–30 % |
| Geschwister | 20.000 € | 15–43 % |
| Nicht verwandt | 20.000 € | 30–50 % |
Beispiel: Sie gewinnen 10 Mio. € und möchten Ihrem besten Freund 1 Mio. € schenken. Freibetrag: 20.000 €. Steuerpflichtige Schenkung: 980.000 €. Steuersatz (Steuerklasse III): 30 %. Schenkungsteuer: 294.000 €.
Bei der Familie sieht es besser aus: Eine Schenkung von 1 Mio. € an Ihr Kind löst bei einem Freibetrag von 400.000 € und einem Steuersatz von 11 % auf die restlichen 600.000 € eine Steuer von 66.000 € aus.
Alternative: Spielgemeinschaft
Wer die Schenkungsteuer vermeiden möchte, sollte die Gewinnaufteilung vor der Ziehung regeln: Eine schriftliche Spielgemeinschafts-Vereinbarung, die vor der Ziehung geschlossen wird, führt dazu, dass jedes Mitglied seinen Anteil direkt als Lottogewinn erhält — und nicht als Schenkung. Damit ist der Anteil jedes Mitglieds steuerfrei.
Achtung: Die Vereinbarung muss vor der Ziehung existieren und die Aufteilung klar regeln. Eine nachträgliche "Spielgemeinschaft" wird vom Finanzamt als verdeckte Schenkung behandelt.
Spielgemeinschaften und Steuer
Spielgemeinschaften sind aus steuerlicher Sicht eine elegante Lösung:
- Vor der Ziehung wird ein Vertrag geschlossen, der die Gewinnaufteilung regelt
- Jedes Mitglied erhält seinen Anteil als eigenen Lottogewinn — steuerfrei
- Es fällt keine Schenkungsteuer an, weil keine Schenkung vorliegt
- Die Erträge auf den jeweiligen Anteil besteuert jedes Mitglied selbst
Formale Anforderungen
Damit das Finanzamt die Spielgemeinschaft anerkennt, sollte der Vertrag folgende Punkte enthalten:
- Namen aller Mitglieder und Anteile
- Art und Weise der Tippabgabe (wer gibt den Schein ab?)
- Klare Gewinnaufteilung (gleiche Anteile oder nach Einsatz?)
- Unterschriften aller Mitglieder
- Datum vor der betreffenden Ziehung
Vorsicht: Eine WhatsApp-Nachricht nach dem Motto "Ich teile mit dir, wenn ich gewinne" ist keine anerkannte Spielgemeinschaft. Das Finanzamt wird dies als Schenkung werten.
Hinweis: Keine Steuerberatung
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle Steuerberatung. Steuerrecht ist komplex und unterliegt ständigen Änderungen. Bei einem größeren Lottogewinn sollten Sie umgehend einen Steuerberater oder Fachanwalt für Steuerrecht konsultieren — idealerweise bevor Sie den Gewinn einlösen oder mit jemandem teilen.
Insbesondere bei Gewinnen über 100.000 € empfehlen wir:
- Steuerberater für die laufende Besteuerung der Kapitalerträge
- Vermögensberater für eine steueroptimierte Anlagestrategie
- Notar für Schenkungen oder Spielgemeinschafts-Verträge
- Fachanwalt für Erbrecht bei Fragen zur Nachlassplanung
Aktuelle Informationen zu Gewinnklassen und Quoten finden Sie auf unserer Gewinnklassen-Seite.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich meinen Eurojackpot-Gewinn in Deutschland versteuern?
Nein. Lottogewinne sind in Deutschland grundsätzlich steuerfrei — unabhängig von der Höhe. Steuerpflichtig werden erst die Erträge, die Sie mit dem Gewinn erwirtschaften (Zinsen, Dividenden, Mieteinnahmen etc.).
Muss ich den Gewinn beim Finanzamt melden?
Den Lottogewinn selbst müssen Sie nicht in Ihrer Steuererklärung angeben. Allerdings müssen Sie die Kapitalerträge auf den angelegten Gewinn deklarieren — es sei denn, diese werden bereits an der Quelle (z.B. durch die Bank) abgeführt (Abgeltungssteuer).
Wie vermeide ich Schenkungsteuer, wenn ich den Gewinn teilen will?
Der sicherste Weg ist eine schriftliche Spielgemeinschaft, die vor der Ziehung geschlossen wird. Jedes Mitglied erhält dann seinen Anteil als eigenen Lottogewinn (steuerfrei) und nicht als Schenkung. Nachträgliche Aufteilungen werden als Schenkung besteuert.
Sind Gewinne bei Online-Lotterien anders besteuert?
Nein. Ob Sie Ihren Eurojackpot-Tipp am Kiosk oder online abgeben — die steuerliche Behandlung des Gewinns ist identisch. Entscheidend ist Ihr Wohnsitzland, nicht der Vertriebsweg.
Weiterführende Informationen
- Gewinnklassen & Quoten — Alle 12 Gewinnklassen im Überblick
- Aktuelle Quoten — Ergebnisse und Ausschüttungen der letzten Ziehungen
Verantwortungsvolles Spielen
Die Aussicht auf steuerfreie Millionengewinne sollte kein Grund sein, über das persönliche Budget hinaus zu spielen. Lotterien sind ein Unterhaltungsprodukt — setzen Sie nur Geld ein, das Sie nicht benötigen.
Wenn Sie Hilfe brauchen, wenden Sie sich an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):
- Telefon: 0800 1 37 27 00 (kostenlos)
- Website: www.bzga.de